Back

 

Rheinpfalz Speyer vom 20.01.2004

Virtuose Künstler spielen bei Konzert in der Dreifaltigkeitskirche
VON UNSEREM MITARBEITER UWE H. ENGEL

Die Mandoline ist ein Abkömmling arabischer Zupfinstrumente. Ihre Blütezeit erlebte sie im Barock, ihr geographisches Zentrum ist Italien, die Gegend um Neapel insbesondere. Doch auch heute noch erfreut sie sich großer Beliebtheit, nicht zuletzt hierzulande, wo sie gerne im Verbund eines Mandolinenorchester gespielt wird.

Ein vorzügliches Exemplar dieser Gattung gastierte nun mit dem Mandolinenorchester Ettlingen in der Speyerer Dreifaltigkeitskirche. Gute Technik und Disziplin zeichnet die Musiker des Ensembles aus. Präzise Einsätze, eine saubere Intonation ermöglichen einen klaren, reinen, stets angenehmen Ton. Das dürfte auch ein Verdienst des Dirigenten sein. Der international renommierte Konzertgitarrist Boris Björn Bagger, der an der Musikhochschule im nahen Karlsruhe lehrt, versteht es, das Ettlinger Orchester motivierend und mit klarer Zeichengebung zu leiten. Den Kontakt hat der Speyer Gitarrist Martin Hug hergestellt, der sich auch zuweilen an dem Konzert beteiligte.

Der zarte, metallische, aber weiche und vibrierende Tremolo-Klang der Mandoline scheint bei den Menschen
etwas zum Schwingen zu bringen, was sie besonders berührt. Diese Art von Klang, das sanfte Tremolieren, wird auch in anderen Kulturen geschätzt, gewisse Ähnlichkeiten sind da nicht zufällig. So wurde das Programm des Mandolinenorchesters Ettlingen zu einer musikalischen Weltreise. Mit der Suite „Planxty O'Carolan" ging es zu Beginn auf die Grüne Insel.
Die von Bruno Szordikowski arrangierte Suite für Zupforchester und Schlagzeug vermittelt plastisch die ganze Palette irischer Volksmelodien, der wehmütigen Balladen und ausgelassenen Tänze. Den spezifischen Klang der Tin-Whistle, aber auf der Querflöte viel kultivierter, steuerte Birgit Engelhardt vom SWR-Rundfunkorchester bei. Die Flötistin war noch einmal zu erleben, als es bei der schwungvollen, rhythmisch vertrackten Rumba von Dieter Kreidler nach Südamerika ging.

Ebenfalls südamerikanisch, nämlich brasilianisch, ist die Form des „Choros", in der der Komponist Celso Machado seine elegantes, folkloristisches „Pachoca" geschrieben hat. Russische Balalaika-Klänge assoziierte schließlich die aus berühmten russischen Weisen zusammengestellte Suite „Wolgaklänge". Für seine differenziere, feinsinnige Komposition
„Sincerely" durfte der anwesende Valdo Preema verdienten Beifall entgegennehmen.

Die Liste der Dirigenten mit denen der Mandolinist Detlef Tewes zusammengearbeitet hat, liest sich wie das „Who is Who" der internationalen Musikszene; Tewes gilt als weltbester Mandolinen-Virtuose. Warum, zeigte sich schon im Konzert C-Dur von Vivaldi: Eine überragende, brillante Technik, eine überaus breite dynamische Palette, klangvoll bis ins leiseste Pianissimo und ein erstaunlicher Reichtum an Klangfarben. Dies kam noch mehr zum Tragen, als Tewes mit Boris Björn Bagger im Mandoline-Gitarre-Duo spielte. Hier musizieren schon seit vielen Jahren und mit größte Spielfreude zwei absolute Meister ihres Fachs, die bestens harmonieren. Unglaubliche flinke Finger zeigte Detlef Tewes dabei im „Capriccio Spagnuolo" von Carlo Munier, einer Art Prüfstein für die Virtuosität eines Mandolinenspielers und auch im berühmten Csardas von Monti, der original für diese Duobesetzung ist. Boris Björn Bagger wiederum konnte seine Virtuosität auf der Gitarre so richtig ausspielen bei einem Stück des estnischen Komponisten Lepo Sumera, das ihm und Tewes gewidmet ist und entsprechend „Für B.B und seinen Freund" heißt.  

Back