Back

Morgenpost Speyer vom 20.01.2004

Martin Hug holt Mandolinenorchester Ettlingen nach Speyer /Lebendige Spielfreude in der Dreifaltigkeitskirche

Leidenschaftliches Zupfen dank Geniestreich

Bild: Mandolinenorchester Ettlingen mit Dirigent Boris Björn Bagger (rechts) am Samstagabend in der Dreifaltigkeitskirche. 

VON MOPO-MITARBEITER DIMITRI TAUBE

Es war so etwas wie ein Geniestreich des Speyerer Gitarristen Martin „Stuff" Hug. Denn auf Grund seiner Initiative gab das Mandolinenorchester Ettlingen mit dem Dirigenten Boris Björn Bagger am Samstagabend in der Dreifaltigkeitskirche ein Konzert. Darüber hinaus präsentierte sich dem Publikum bei diesem Gastspiel ein Mann, der schon des Öfteren als weltbester Mandolinenvirtuose bezeichnet wurde: Detlef Tewes.

Seit über 50 Jahren besteht das Mandolinenorchester nun, und seit einem Jahr agiert das 18-köpfige Ensemble unter der Leitung von Boris Björn Bagger. Viel herumgekommen sind die Musiker bereits und zogen halb Europa in ihren Bann.

Das können sie übrigens sehr gut, den Beweis dafür erbrachten sie jetzt auch in der Domstadt. „Stuff Hug selbst ließ es sich nicht nehmen und begleitete das Orchester mit der Gitarre. Für die angekündigte, aber leider krank gewordene Nadjeschda Bagger sprang Birgit Engelhardt vom SWR-Orchester Kaiserslautern ein.

Qualitätsverlust entstand dadurch nicht. Wie auch, bei solch einem Dirigenten, der mit seiner Truppe brillant harmonierte. Von Anfang an bestach Bagger vor allem durch eine grandiose Körpersprache: Seine sehr speziellen Gesten aus einem originellen Fundus rissen die Orchestermitglieder mit. So spiegelten sich Baggers professionelle Lockerheit und sein Enthusiasmus in ihren Gesichtern wider. Der Effekt .war natürlich der, dass das Auditorium eine Spielfreude registrierte, die das Konzert zusätzlich beflügelte.

Das Orchester spielte unter anderem eine Irische Suite, Rumba von Dieter Kreidler und russische Wolgaklänge. Relativ rasch ließ es sich hl diese angenehme, schöne und klare Musik einfühlen und die Wirkung war groß: Bereits nach wenigen Momenten versetzten diese Klänge einen in eine wundervolle Trance. Boris Björn Bagger dirigierte dabei sicher aus dem Handgelenk.

Als Dirigent ist Bagger meisterhaft, als Gitarrist allerdings nicht minder famos. Zur Seite stand ihm bei dem Gitarren-Auftritt im zweiten Teil des Abends Detlef Tewes mit der Mandoline. Mit drei Stücken entzückten sie das Publikum. Mit Lepo Sumeras ihnen beiden gewidmeter Komposition „Für BBB und seinen Freund", mit Carlo Muniers „Capriccio Spagnuolo" (in der Interpretation von Tewes), sowie mit Vittorio Montis „Czardas".

Sauber, fein sowie überaus elegant gestaltete sich ihre Vorstellung. Es war schon faszinierend zu sehen, was man alles aus einer Gitarre und einer Mandoline musikalisch herausholen kann. Einen schönen und extrem gekonnten Umgang zelebrierten sie wie aus einem Guss.

Außerdem legten Tewes und Bagger eine Leidenschaft an den Tag, die eine hundertprozentige Identifikation mit ihrer Musik offenbart. Die Instrumente scheinen für die Zwei dabei so etwas wie Spielzeuge mit Poesie zu sein. Bleibt nur zu hoffen, dass Martin „Stuff" Hug für eine Wiederholung dieses Geniestreichs sorgt.

Back