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Badisches Tagblatt 26. September 2003

Konzert dreier herausragender Solisten stößt auf große Resonanz / Schwelgen in Läufen und Melodien

Höchstes musikalisches Können

Ötigheim (owo) - „Bonbons aus Oper und Klassik" hatte der Veranstalter, das Mandolinen- und Gitarrenorchester Ötigheim, für das Konzert im Gemeindehaus Alte Schule angekündigt. Und so konnte Alexander Becker zu dem herausragenden Konzertereignis mit drei Solisten eine stattliche Anzahl Zuhörer begrüßen. Erkennbar war, wie sehr dieses Publikum die höchste Qualität der Interpretation dieser Musik zu schätzen wusste.
Gewissermaßen als Verneigung vor den Mandolinenfreunden konnte man die Zugaben werten. Das war einmal das Ständchen mit der reizenden Mandolinenbegleitung aus Mozarts „Don Giovanni". Zum anderen war es die Sonatine in C-Dur von Ludwig van Beethoven mit dem Mandolinensolisten Detlef Tewes und mit Otto Freudenthal am Flügel.
In dieser Kombination hatte auch das Konzert begonnen, und zwar mit der Komposition „Sudden Fire", die in zwei Sätzen eine Freundesrunde beim Kerzenschein schildert, das von der Kerze verursachte Feuer und das Löschen. Dazu kam dann die Romance, Opus 26 von Johann Severin Svendsen in der Bearbeitung von Detlef Tewes. Hideaki Nitta, der Bariton, sang eine weitere Komposition von Otto Freudenthal, drei Lieder nach Texten von Friedrich Nietzsche. Dazu brachten die beiden weitere Beethoven - Vertonungen: „Adelaide" und „Es war einmal ein König" aus Goethes „Faust". Abschließender Höhepunkt des ersten Konzertteils war die „Sonata quasi una Fantasia, Opus 27, No. 2",
Detlef Tewes, Otto Freudenthal und Hideaki Nitta begeisterten.
die als cis - Moll Sonate bekannte und beliebte „Mondscheinsonate" von Ludwig van Beethoven. Da durfte man miterleben, warum dieser Name aus der Triolenbegleitung des sanft dahinschwebenden, leise klagenden Themas entstand, ein schelmisch dahin huschendes Allegro-Scherzo und das mit einem Gewitter zu vergleichende Presto - Finale.
Nach der Pause stimmten sich die beiden Musiker wieder ein mit einer „Salamander" genannten Freudenthal-Komposition für Mandoline und Piano. Es folgte der Höhepunkt für die Mandoline, die Bearbeitung von Detlef Tewes der „Carmen Fantasie Opus 25" von Pablo de Sarasate: Ein Schwelgen in Läufen und Melodien, das höchste Begeisterung erzeugte.
Als Programmschluss hatte man zwei Titel aus dem Opernbereich gewählt, mit denen der Bariton Hideaki Nitta seine voll und herrlich klingende Stimme als Einladung zum Opernbesuch einsetzte: Aus der Oper „Macbeth" von Giuseppe Verdi „Pieta, ripeto, onore" und von Gioacchino Rossini „Largo al factotum della citta" aus dem „Barbier von Sevilla", in dem sich der Figaro mit subtilem Humor als „Faktotum der schönen Welt" in die Herzen singt. Dann war zwar das gedruckte Programm am Ende, aber der Musikgenuss noch nicht, denn mit den Zugaben gab es nochmals Kostproben höchsten musikalischen Könnens.

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