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Wuppertaler Zeitung 03. Mai 2002

Gezupfte Klänge und ein virtuoses Klavier

Die
Mandolinen-Konzertgesellschaft Wuppertal gab unter der Leitung von Detlef Tewes in der Stadthalle ein Konzert mit Werken nordischer Komponisten.

Von Diana Loos

Die Mandolinen-Konzertgesellschaft präsentiert dank der souveränen Musikalität und sorgfältigen Einstudierung ihres Leiters Detlef Tewes stets Programme auf höchstem musikalischem Niveau. Dass das Orchester in Wuppertal große Beliebtheit genießt, bezeugte der vollbesetzte Mendelssohn-Saal in der Stadthalle. Das war bemerkenswert aber vor allem deshalb, weil das neueste Programm mit dem Titel „Sternenklänge" hauptsächlich unbekannten Werken zeitgenössischer nordischer Komponisten gewidmet war.
Eine Uraufführung des 1934 geborenen schwedischen Komponisten Otto Freudenthal, das „Divertimento Pastorale", eröffnete den Abend: eine Abbildung von Licht, Wind und Himmel mittels musikalischem Pointilismus und faszinierender Klangfarben, die das Ohr erfreuten.
Der 20-jährige chinesische Pianist Momo Chen spielte Werke von Frederic Chopin mit sicherer Technik, einem sauberen Anschlag und gefühlvoller Dynamik, wenngleich zuviel Rubato gelegentlich den rhythmischen Rahmen verwischte. Im Scherzo Nr. l in h-Moll op. 20 unterstrich er die dramatischen, Scherzo-untypischen Eigenschaften des Werks - ruhelose Erregtheit, Turbulenz und erstaunlich gewagte Dissonanzen.
Mit der gebotenen Leichtigkeit interpretierte er die vier zauberhaften Mazurken op. 30, die zu Chopins genialsten Schöpfungen der kleinen Form gehören; temperamentvolle und lyrische Passagen kamen gleichberechtigt zur Geltung.
Als Solist in „Modus op. 49a" des erst im letzten Jahr verstorbenen estnischen Komponisten Raimo Kangro musste Momo Chen nicht nur auf den Tasten, sondern auch auf den Saiten des Flügels spielen, ein Klangeffekt, der dem gezupften Mandolinenklang ähnelte. In Kangros „Clicking Symphony" op. 49 wurde das Mandolinenorchester durch zwei Schlagzeuger ergänzt. Kangros eindeutig tonaler Kompositionsstil geht leicht ins Ohr; eckige chromatische Melodik und häufig auf Sekunden aufgebaute Harmonik ergänzen sich. Er nutzt gern ungewöhnliche Metren in schneller Abfolge (7/8, 4/8, 3/8, 5/8-Takt). Vor allem bei solch kniffliger Rhythmik beeindruckte Detlef Tewes' klare, eindeutige Schlagtechnik, mittels derer er alle Fäden in der Hand hielt.
Ein Werk mit dem hyperbolischen Titel „The Unforgettable" (Das Unvergessliche) des 1968 geborenen Kangro - Schülers Tönu Körvits beschränkte sich auf Dreiklänge, Tonleitern und Quinten; „Der Komet Hjakutake" des 1960 geborenen Esten Urmas Sisask schuf hohe Klänge wie glitzernde Sterne in Pentatonik - Melodik und auf Sekunden aufgebauter Harmonik, enthielt aber im allgemeinen zu wenige musikalische Einfalle, um die Länge des Stücks zu tragen.
Der Abend beeindruckte durch das Engagement der überwiegend jungen Musiker, schade, dass der musikalische Gehalt etwas zu kurz kam. Das Publikum würdigte die hervorragende musikalische Leistung mit entsprechendem Beifall.


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